
Das Kinderheim St. Agnes
Will man über die
Geschichte und Entwicklung der Pfarrei St. Josef berichten, muss man
zwangsläufig auch das Schwesternhaus einbeziehen, welches mit dem Leben,
der Geschichte und Entwicklung der Pfarrgemeinde St. Josef sehr eng verknüpft
ist. Der Anregung und dem Eifer des früheren Pfarrers Roters verdankt die
katholische Kirchengemeinde diese segensreiche Einrichtung.
Das dringende Bedürfnis
nach einem Schwesternhaus in unserer Gemeinde zum Zwecke ambulanter
Krankenpflege, der Erteilung von Handarbeitsunterricht und der Leitung
einer Kinderverwahrschule waren Anlass für die Errichtung dieses Hauses.
Das Schwesternhaus wurde noch vor dem ersten Weltkrieg im Jahre 1913 auf
dem Grundstück der Kirchengemeinde errichtet und fertiggestellt.
Die Aufgaben übernahmen
die Schwestern aus dem Orden der Göttlichen Vorsehung aus Münster, die
auch heute noch, nach 85 Jahren pflichterfüllt ihre segensreiche Arbeit
in den Dienst des Nächsten stellen.
Das Schwesternhaus hat
in all diesen Jahren sehr viel geleistet, hat Höhen und Tiefen erlebt und
war auch schon mal in seiner Existenz bedroht. All die Vorkommnisse hier
darzustellen würde den Umfang dieser Arbeit sicherlich sprengen. Daher
werden nachfolgend nur die wichtigsten Eckpunkte aufgezeigt:
Im Jahre 1921 wurde der
gemeinnützige Verein "Schwesternheim St. Josef", gegründet,
der sich insbesondere der Erweiterung des Schwesternhauses annahm. 1922
wurde es erweitert. 1926 wurde der Wunsch nach einem Waisenhaus laut. Das
Schwesternhaus wurde umgebaut, und 40 Kinder konnten danach dort ein
Zuhause finden. Ein weiterer Anbau erfolgte im Jahre 1927 am Ostflügel.
Dieser Anbau wurde notwendig für die Waisenkinder und Insassen des
Schwesternhauses im Falle von Krankheit, insbesondere aber wegen der
vermehrten Inanspruchnahme der Schwestern durch die Bürger in der
praktischen Krankenpflege. Von 1913 bis 1979 wurde die ambulante
Krankenpflege von den Schwestern durchgeführt, bis 1980 die Sozialstation
der freien Wohlfahrtsverbände diese Arbeit übernommen hat. Vielen
tausend Mitbürgern wurde von den Schwestern Hilfe und
Zuwendung
geschenkt. In beiden Kriegen und den Nachkriegszeiten, den Zeiten der größten
Not, kamen oftmals Hunderte von Mitbürgern an einem Tag, um eine warme
Mahlzeit zu bekommen. Dieses war nur möglich, da dem Schwesternhaus eine
kleine Landwirtschaft angegliedert war. Noch im Januar 1945 wurde das Haus
nach einem Bombenangriff zu zwei Dritteln zerstört.
Nach
dem Krieg nahmen die Schwestern schon sehr bald ihre Arbeit wieder auf und
das Schwesternhaus wurde zunächst notdürftig repariert.
Neben der
Handarbeitsschule, dem Waisenhaus, der Kochschule und dem Kindergarten
hatten auch die kirchlichen Vereine und die Borromäus-Bücherei ihren
Platz im Schwesternhaus. Außerdem war, was viele nicht wissen, das Haus
bis in die sechziger Jahre Hostienbäckerei für das Dekant Datteln. Des
weiteren wurden dort Exerzitien, Einkehrtage und sonstige kirchliche und
karitative Veranstaltungen durchgeführt.
Bereits gegen Ende der
sechziger Jahre wurden Überlegungen hinsichtlich des Neubaues eines
Kinderheims angestellt, da das St. Agnes-Stift nicht mehr den
Anforderungen genügte und die Kapazität in keiner Weise mehr der
Nachfrage entsprach. Im Oktober 1966 erfolgte die Genehmigung für den
Neubau des Kinderheimes, im Juli 1967 wurde der Grundstein gelegt und im
Juni 1969 konnte das Kinderheim unter großer Anteilnahme der Gemeinde
seiner Bestimmung übergeben werden. Zweiundneunzig Kinder in sechs
Familiengruppen konnten nun aufgenommen werden.
Im Jahre 1977
wurde der Altbau des St. Agnes-Stiftes wegen Baufälligkeit abgebrochen.
Durch die Änderung der Gesetzgebung hatte das Kinderheim ab ca. 1984 mit
Belegungsschwierigkeiten zu kämpfen. Nach diesem Gesetz können Kinder
weitaus preiswerter in Pflegefamilien untergebracht werden als in
Kinderheimen, wovon die Jugendämter zunehmend Gebrauch machten. Das Heim
war im Mittel nur noch zur Hälfte belegt. Daher wurde mit dem
Diakonischen Werk Recklinghausen vereinbart, 35 Heimplätze für die
Betreuung von behinderten Jugendlichen dem Diakonischen Werk abzutreten.
Damit wurde die Nutzung des Kinderheimes langfristig gesichert, so dass
die Schwestern auch weiterhin ihre segensreiche Arbeit hier bei uns in
Oer-Erkenschwick ausführen können.