"Rom
ist weit, Rapen um die Ecke"
St.
Marien: Pfarrer Bernhard Liesner wird am Sonntag
verabschiedet.
"Ich falle ja nicht in ein schwarzes Loch" |
Facettenreich
ist eine Charakterisierung dieses Mannes allemal.
Bescheidenheit macht ihn aus. "Machen Sie bloß nicht so
einen Aufwand", sagt Bernhard Liesner. Entschlossenheit
ist ein anderes Markenzeichen des Priesters, der am Sonntag
verabschiedet wird. Ganz Rapen sagt Dank.
von Jochen Börger
Dank für 28 Jahre Arbeit und Seelsorge in der Gemeinde St.
Marien. Dank für Engagement in der Senioren- und
Jugendarbeit, in der Friedensbewegung. Wer seit 1974 unermüdlich
für die Gemeinde, die Menschen in der Bauerschaft, gearbeitet
hat, dem ist eben diese große Dankeschön-Feier garantiert.
Ob es ihm nun recht ist oder nicht.
"Natürlich fällt ein solcher Schritt nicht leicht, aber
ich falle ja nicht in ein schwarzes Loch", sagt der
Pfarrer. Die Entscheidung, den Berufsweg zu wählen, fiel spät.
Eine Schneider- und Weberlehre absolviert Liesner, verdient
sich nebenbei bei den "Westfälischen Nachrichten"
in Südlohn als "Hobby-Journalist" etwas Geld. Das
Bewahren ökologischer Nischen propagiert er in seinen
Berichten, was so manchem kernig-kritisch-konservativen Bauern
im Münsterland nun gar nicht so gefällt. Der Autor schrieb
gern und beobachtete genau. Ein Verdienst, an dem sich auch
heute noch Leser der Kirchenzeitung erfreuen.
Neuigkeiten aus Rapen erfährt man dort donnerstags "aus
erster Hand". "Der Pfarrteil St. Marien sprengte
sofort die bisherige Seitenzahl des Dekanatsteiles",
erinnert sich Ulrich Müter, stellvertretender Vorsitzender
des Kirchenvorstandes.
Unterstützung für Friedensbewegung
Bernhard Liesner kam zu einer Zeit nach Rapen, als die
Gemeindearbeit gerade einmal elf Jahre bestand. Der früh
verstorbene Pfarrer Josef Frieling hatte die Aufbauarbeit
geleistet, Kirche, Kindergarten sowie Pfarr-und Jugendheim
waren errichtet. Nun galt es, das Werk fortzusetzen. Am Anfang
war die Fronleichnamsprozession, die wieder auflebte. Es
folgten der Martinsumzug und die Marienprozession. Es tat sich
was im Stadtteil.
Nicht zu vergessen die Musik. Was Liesner vor allem seit 1970
bei seiner zweiten Kaplanstelle in der Gemeinde St. Johannes
Baptist in Mesum aufgebaut hatte, sollte in Rapen natürlich
auch eingeführt werden. Eine Gesangs-Schola war vorhanden,
fortan entwickelte sich ein kompletter Kirchenchor. Und was wäre
Kirchenmusik ohne eine Orgel? Nichts Halbes und nichts Ganzes.
Irgendwann hatte St. Marien ein "richtiges"
Instrument. Dem Pastor sei Dank.
Auch Kirchen-Leben erfordert neue Ansätze, sagte sich Liesner
in seinem Priesterberuf seit 1965 so oft. Gebete für Marilyn
Monroe hat er initiiert, mit neuen Texten und Liedern einen
besseren Zugang zum Thema Glauben ermöglichen wollen.
Wobei ihm die Jugend immer am Herzen lag. Erst in diesem
Sommer erfreuten sich 100 Mädchen und Jungen im Hunsrück.
Ferienfreizeiten und der Pastor, ein längst schon
feststehender Begriff für das Gemeindeleben. An den
Mahnwachen der Friedensbewegung zu Beginn der Achtziger Jahre
nahm er teil, seine Unterstützung für amnesty international
ist heute noch ungebrochen.
"Den Menschen zuhören und auf sie zugehen", das
will der Pastor auch im Ruhestand. Dem neuen Pfarrverwalter
Clemens Kreiss steht er selbstredend zur Seite. Die Liebe zur
Heimat und zu den Menschen dort bleibt, sagt Liesner mit einem
Schmunzeln und verkündet: "Münster ist weit, Rom noch
weiter, aber Rapen hier um die Ecke."
Gewiss keine leere Phrase: Draußen vor der Kirchentür sitzt
ein Mädchen. "Na, was machen die Hausaufgaben? Gibt´s
Schwierigkeiten?", fragt Liesner. "Nö, alles in
Ordnung, Herr Pastor", sagt das Mädchen.
Herr Pastor lächelt. Sein Feld ist nach 28 Jahren mehr als
bestellt.
Stimberg Zeitung - 10. 09. 2002 |
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