Von der Vorgeschichte bis zum Ersten Weltkrieg

 

Oer, Erkenschwick und Rapen waren bis zum Ende des 19.  Jahrhunderts ausschließlich von der Landwirtschaft geprägt, erst danach begann die Industrialisierung.
 
Obwohl Oer, Erkenschwick und Rapen erst mit Beginn des 20. Jahrhunderts nennenswerte Formen annahmen, hat dieses Gebiet dennoch eine weit zurückreichende Geschichte. Deutliche Spuren für frühe Siedlungen lassen sich auf den Zeitraum von 800 bis 1.000 v. Chr. datieren. Die erste urkundliche Erwähnung Erkenschwick`s findet sich im Heberegister des Jahres 1150 der damals bedeutenden Abtei Werden. Etwa aus der gleichen Zeit stammen auch Aufzeichnungen über den damaligen Reichshof Oer.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war das Gebiet der heutigen Stadt Oer-Erkenschwick fast ausschließlich von der Land- und Forstwirtschaft geprägt.

 

 

 

 


 

 

Hof Becker, am heutigen Berliner Platz

 Die Anzahl der Einwohner veränderte sich bis zum Jahre 1900 kaum. Trotzdem ergaben sich in diesem Zeitabschnitt für die Bauern gravierende Änderungen. Während die Bauern fast ausnahmslos der Leibeigenschaft der Grundherren unterlagen, wurden sie nach der Übernahme der Regierung durch den Herzog von Arenberg freie Bürger und unterlagen somit keinem Herrschaftsverhältnis mehr. Was aber nicht bedeutete, dass die Bauern auch das Eigentum an ihren Gütern erlangt hatten; dieses konnte erst durch die Zahlung einer entsprechenden "Ablöse", die durch die neue Gesetzgebung jedoch gewährleistet war, erreicht werden.

Nach dem Frieden von Louneville im Jahre 1801 wurde das Kirchspiel Oer mit den Ortsteilen Oer, Alt-Oer, Siepen und Sinsen der Bürgermeisterei Recklinghausen zugewiesen. Die Bauernschaft Erkenschwick kam zur Bürgermeisterei Datteln, wozu auch die Bauernschaft Rapen gehörte.
 

Bevölkerungsentwicklung von 1820 bis 1914
Gesamt Erkenschwick Oer Rapen
1820 1.230 215 795 220
1882 1.603 265 1.078 260g
1909 7.655 4.059 2.498 1.101
1914 13.522 7.738 3.026 2.758


Der missglückte Feldzug Napoleons gegen Russland im Jahre 1821 und die anschließende Erhebung Preußens und des gesamten Deutschen Reichs führte zur endgültigen Beseitigung der französischen Herrschaft, mit der Folge, dass die Gebiete wieder neu zugeordnet wurden. Erkenschwick wurde nun der Bürgermeisterei Recklinghausen zugewiesen, während Rapen bis 1926 beim Amt Datteln verblieb. Oer wurde selbständige Gemeinde im Amt Recklinghausen.


 

 

 

 

Bergwerk im Winter 1902

Erst mit dem Aufkommen und dem Wachstum des Bergbaus hier in Erkenschwick setzte ein gravierender Wandel in der Wirtschaft und des gesamten Lebensraumes ein. Am 2. Juni 1899 begann die Abteufung des Schachtes I, des späteren Bergwerks Ewald-Fortsetzung, auf dem bereits im Jahre 1908 etwa 1.500 Bergleute eine Beschäftigung gefunden hatten.

Wie aus der Tabelle zu ersehen ist, erhöhte sich die Bevölkerung in diesen wenigen Jahren enorm. Der große Bedarf an Arbeitskräften konnte in dieser Zeit nur durch zahlreiche Zuwanderer, vorwiegend aus den damals östlichen Provinzen aber auch durch die Zuwanderung von Ausländern gedeckt werden.

Man kann sich vorstellen, dass dieser so kurzfristig hohe Bevölkerungszuwachs das politische, soziale und kulturelle Leben in Oer, Erkenschwick und Rapen nachhaltig gewaltig veränderte. Die Bevölkerungsstruktur zu Beginn des 1. Weltkrieges besagt, dass zu diesem Zeitpunkt 31% Einheimische, 25% Slowenen, 15% Polen, 17% Ostpreußen und 12 % anderer Herkunft waren.

Die Schachtanlage entwickelte sich in den ersten zwei Jahrzehnten ganz erstaunlich. Neben der Abteufung weiterer Schächte wurde der Bahnanschluss nach Sinsen, die Kokerei und ein eigenes Kraftwerk in Betrieb genommen. Bis zum Jahre 1913 erhöhte sich die Kohleförderung auf 670.000 t und die Belegschaft auf ca. 2.400 Mitarbeiter.

Obwohl die Zeche und die mit ihr einhergehende starke Bevölkerungsentwicklung vielseitige Probleme mit sich brachte, war es doch d e r Grundstein für die nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung von Oer, Erkenschwick und Rapen.

 

 

 

 

 

 


Zechensiedlung Rapen mit dem Schacht 4

 In dieser Zeit entstanden die heute noch bei uns vorhandenen sog. Zechenkolonien. Bis zum Ersten Weltkrieg gab es schon ca. 1.300 Bergbauwohnungen. Auch Privatpersonen bauten nun Häuser und halfen mit, den großen Wohnungsbedarf zu decken.
 
 
Das Handwerk kam sicherlich zu seiner ersten Blüte und geschäftstüchtige Einheimische und Händler eröffneten Geschäfte, um den  notwendigen Bedarf zu decken. Aber auch die Infrastruktur wurde verbessert. So wurden

 

 

 

 

 



Die legendäre Linie 2
Von Recklinghausen nach Datteln

 Verbindungsstraßen zu den Nachbarstädten errichtet, die für die Bevölkerung wichtige elektrische Straßenbahn von Recklinghausen nach Erkenschwick 1909 in Betrieb genommen und 1913 bis nach Datteln weitergeführt. Des weiteren stammen aus dieser Zeit die evangelische Johannes Kirche und die katholische Kirche St. Josef.
 

Das Vereinsleben entwickelte sich langsam und die ersten Gemeindegasthäuser wurden gebaut. Ebenso stammt aus dieser Zeit das St. Agnes-Stift, welches nicht nur Kindergarten und Nähstube war, sondern auch die Betreuung Hilfsbedürftiger und Kranker übernahm und als Waisenhaus diente. Hierdurch wurde schon zur damaligen Zeit eine gewisse soziale Betreuung der Bevölkerung sichergestellt.
 

 
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