Rückblick und Bestandsaufnahme:
100 Jahre KAB St. Josef
Georg Hülsken
Wenn man heute Mitglied in einem Verein wird, dann überlegt man sich das vorher gut, ob es sich »lohnt«, ob ich für meinen Beitrag auch eine entsprechende Gegenleistung bekomme, ob ich mit den Vereinszielen, wenn sie denn klar sind, auch etwas anfangen kann und natürlich auch, ob ich mit den übrigen Vereinsmitgliedern etwas anfangen kann und sie zu mir »passen«.
Vielleicht hat es die KAB heute deshalb so schwer, neue
Mitglieder zu finden. Denn der Beitrag hat sich in letzten Jahren erhöht, ohne dass
sich dies für jedes einzelne Mitglied gleich wieder »ausgezahlt« hat.
Vielleicht darf man mit dieser Erwartung auch nur einem »Sparclub« beitreten und weniger
einem traditionsreichen katholischen Verband.
Die KAB in Deutschland ist ja hervorgegangen aus dem
Zusammenschluss von Arbeiter-/innen vereinen, die sich seit Mitte des 19.
Jahrhunderts als Bildungs- und Selbsthilfevereine gebildet hatten. Einer der großen Förderer war der Mainzer »Arbeiterbischof« Wilhelm
Emmanuel von Ketteler. Entgegen dem kirchlichen Zeitgeist, die Notlage
der Arbeiterschaft ausschließlich durch Caritas zu beseitigen, setzte er damals
auch auf eine aktive Interessenvertretung der Arbeiterschaft . Somit
gehörten Selbsthilfe (praktisch wie politisch) und Bildung (religiös, politisch wie
allgemein) schon seit den Anfängen zu den Schwerpunkten des (Arbeiter-)
Vereinslebens.
Im Jahre 1903 wird der »Westdeutsche Verband der katholischen Arbeiter-, Arbeiterinnen- und Knappenvereine« mit Sitz zunächst in Mönchengladbach und danach in Köln gegründet Zu den Anfängen der KAB in St. Josef weiß leider auch schon die Chronik zum 75-jährigen Bestehen nicht viel zu berichten:
»Im Jahre des Entstehens der Pfarrei St. Josef (1908) wurde auch
ein katholischer Arbeiterverein gegründet. Die meisten Mitglieder waren auf der
zu dieser Zeit im Entstehen befindlichen Zeche »Ewald-Fortsetzung« beschäftigt. In
den Jahren bis zur Nazi-Herrschaft 1933 entwickelte der Verein eine rege
Tätigkeit.« In den Notzeiten, als viele Bergleute arbeitslos wurden, gab es
häufig Versammlungen und materielle Hilfen für die von Armut Betroffenen. Auch wurde
eine Sterbekasse eingerichtet, und die KAB beteiligte sich
am Ausbau der St. Josef-Notkirche und des St. Agnes-Stiftes. Durch das Verbot der
Nationalsozialisten musste jedoch ab 1935 jede öffentliche Tätigkeit eingestellt
werden. Nach Kriegsende gehörte die KAB St. Josef immerhin zu den ersten Vereinen im
Umkreis, die ihre Vereinstätigkeit (am 1. Mai 1946) wieder aufnahm.
Mit der weiteren Festigung der Verbandstrukturen spielt sich das
Leben der KAB heute auf zwei Ebenen ab. Als Bundesverband versucht man
einerseits auch politisch Einfluss zu nehmen und hat als sozialpolitische Kraft
bereits an zahlreichen Gesetzesvorhaben mitgewirkt, z. B. beim Ausbau der
Unfallversicherung, der Altersvorsorge und der Mitbestimmung. Auch das Rentenmodell
der KAB wurde und wird in den Parteien diskutiert. Daneben gibt es das
Vereinsleben »vor Ort« in den einzelnen Gemeinden wie in St. Josef mit seinen
in der Regel monatlich stattfindenden Mitglieder-Versammlungen, die jedoch
immer auch offen sind für interessierte Gäste. Hier stehen Gemeinschaft und
Geselligkeit bei Kaffee und Kuchen (bzw. Stuten in der Fastenzeit) im
Vordergrund, aber auch die Bildung kommt nicht zu kurz, denn zu
jeder Monatsversammlung wird zu einem bestimmten Thema ein/e Referent/in eingeladen.
Die Themenpalette erstreckt sich dabei u. a. über die Bereiche Gesundheit und
Alter, Natur, die Geschichte Erkenschwicks, Arbeitswelt, Glaube und Kirche. Einmal
im Jahr wird für das KAB-Notwerk und dessen Projekte in den Ländern des
Südens
gesammelt.
Der hohe Altersdurchschnitt der Mitglieder bringt es mit sich,
dass zum traditionellen »Maigang« nicht mehr so ausgedehnte, lange
Strecken zurückgelegt werden können, was die allgemeine Stimmung jedoch nicht trüben
kann. Aktionen wie die alljährliche Altkleidersammlung können aus dem
gleichen Grund nur noch in Zusammenarbeit mit anderen KAB-Gruppierungen
durchgeführt werden. Vor einigen Jahren scheiterte leider auch der Versuch,
wie in der Nachbargemeinde Christus-König, einen Familienkreis innerhalb
der KAB zu gründen. Somit hat sich die KAB mit den Jahren immer mehr zu
einer rüstigen Seniorengruppe entwickelt.
Dabei wäre die KAB als Verband nach wie vor auch für jüngere Altersgruppen attraktiv: Allein in NRW unterhält die KAB zwei Familienferien- und Bildungsstätten (in Günne am Möhnesee und in Rharbach im Sauerland) Das Bildungswerk bietet ein breites Angebot von Kursen und Seminaren. Jedes Mitglied kann sich in arbeits- und sozialrechtlichen Fragen kostenlos von Fachleuten beraten lassen. Auch zu aktuellen Themen bezieht die KAB Stellung: Noch im Mai 2007 hat sich die KAB in NRW gemeinsam mit der Gewerkschaft Verdi unter dem Motto »Mindestlohn statt Armutslohn – kein Lohn unter 7,50€ pro Stunde« für die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohn stark gemacht.
Vielleicht »lohnt« es sich ja doch, einem Verband, und warum nicht auch der KAB, anzugehören? Mehr und aktuelle Informationen können Sie auch finden unter http://www.kab.de/.
Georg Hülsken