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Der
Kindergarten befand sich im Keller. Durch die Fenster sahen die Kleinen noch auf
Wiesen in Richtung Weidenstraße. Es war in der Nazi-Zeit, und doch meldeten die
Eltern ihre Kleinen an in dem katholischen Kindergarten. Der lag unter dem Saal
des katholischen Vereinshauses am Hünenplatz mit dem Wirt Heinrich Vatteroth
darin. Der war für die Blagen ein alter Mann, Heinrich Vatteroth hätte in
jedem Seemannsstück den Grafen Luckner als Seebären darstellen können. Die
katholische Schwester in dem Kindergarten unterhielt zwischen Fliegeralarmen
ihre Kleinen mit Kasperletheater. Sie saß gut sichtbar in ihrer Nonnentracht
hinter einem Tisch mit Guckkastenbühne, sprach alle Rollen selbst, und doch
glaubten die Zuschauer, dass der langnasige hölzerne Kasper lebe. Sie war eine
gutmütige Frau. Sausten Bauklötze durch die Luft, dann schlug sie dem Täter
mal leicht auf die Oberhand, aber die Schwester litt dabei mehr als das
gelegentlich grinsende Kind. Waren mal einige ausgebüchst durch den Zaun hinter
dem Kindergarten in die Wiesen in Richtung Rapen, und wurden die eingefangen und
zurückgeführt, beachtete sie die Zwangsheimkehrer einen Tag nicht. Und das
bedeutete für die Leiden. Ging die Schwester vor den Blagen her, versuchten
einige immer wieder die nach hinten fallenden Tücher ihrer Nonnenhaube zu
heben, um zu erfahren, was zu Hause mal gesagt wurde, sie trage eine Glatze. Das
sei bei Schwestern so. Es wurde nie geklärt. Ruhe aus Angst herrschte, wenn der
Pfarrer Reckmann in den Kindergarten kam. Mit ihm wurde die Nikolausfeier
vorbereitet. Die Nazis sahen das nicht gern. Wir wurden intensiv eingestimmt auf
den Besuch des heiligen und gütigen Mannes, der aber trotz seiner Güte
Beklemmung auslöste. Würdevoll betrat der Weißbärtige unseren
Kellerkindergarten . Sein Bischofsstab war goldfarben. Er trug weiße Handschuhe
und einen pompösen Ring. Der Nikolaus hatte einen strengen Blick. In seinem
goldenen Buch stehe namentlich festgehalten, wer im Laufe des Jahres frech gegen
die Mutter war. Da fiel mir ein, dass ich im Juli zu meiner gesagt hatte, sie
sei doof. Dieser unbestechlich gerechte Mann las laut meinen Namen, ich musste
mich strafweise vom Platz erheben, fünf andere Burschen wegen ähnlicher
Delikte auch. Ich weiß über Jahre noch, dass ich den Spruch gegen die Mutter
in diesem Augeblick bereute. Und dem Nikolaus in seinem würdevollen
Priestergewand traute ich zu alles zu wissen. Es gab trotz der Not Gebäck.
Jahre später erfuhr ich, der heilige Mann war der Gastwirt Heinrich Vatteroth
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