In
welcher Kirche sie waren, erfuhren einige Kinder erst nach dem Krieg. Als die
Konfessionsschule durchgesetzt wurde, kam es zu dramatischen Trennungen in den
Klassen. Wer bisher in die Ewald-Schule ging und katholisch war, musste sie
verlassen, nur die Evangelischen blieben. Für viele Katholiken war der Schulweg
länger geworden. Zuvor galt die Nähe der Wohnung zur Schule als Orientierung.
Die Stimberg-Schule war größer und beeindruckender. Sie hatte eine Turnhalle,
aber die war durch Bomben zerstört. Aus den Trümmern ragte nur noch eine
Empore. Hausmeister Schild lief mit einer Glocke über den Schulhof und läutete
den Beginn des Unterrichts ein. Es hieß, er habe tatenlos mit ansehen müssen,
wie nach Bombenangriffen die Schulbücherei leer geklaut wurde. Aber nicht immer
begann der Unterricht mit seinem Geläut. Wiederholt mussten sich die Kinder in
Klassenverbänden vereint aufbauen vor dem Hauptportal, über dem gemeißelt
stand "Stimberg-Schule"
. Auf dem obersten Treppenabsatz stand
Schuldirektor Biermann, der grundsätzlich Mopek Biermann genannt wurde. Mopek
Biermann hielt Reden über die schlechte Lage in Deutschland. Nur die vorn in
der Reihe hörten zu. Er bat um Kohlenspenden, damit in der Kälte der
Unterricht überhaupt möglich war. Was viele Kinder gar nicht einsahen. Er
gebrauchte auch für die Steinkohle den Begriff Schwarze Diamanten. Es gab viele
Schulkinder, aber wenig Lehrer. Bei einigen Jahrgängen war der Andrang so
stark, dass es vom selben Jahrgang zwei Klassen gab. Die einen wurden von Fräulein
Bigalke getrimmt, die anderen von Fräulein Horstmann - in den Schulpausen
behauptete jede Gruppe, mit seiner Lehrerin das schwerere Los gezogen zu haben.
Zwei Lehrerinnen mit Namen Landwehr wurden wegen ihrer Gehweise von den Kindern
erbarmungslos Enten genannt.
Der
Lehrer Fritsch kam auch bei stärkster Kälte mit dem Fahrrad in die Schule. War
er angekommen, wurde das Lenkrad abgeschraubt, mit dem unter dem Arm geklemmt
betrat er das Klassenzimmer. Auf den Haken rechts von der Klassentür hängte er
seine Mütze und das Lenkrad. Wer sollte sein mit Ketten gesichertes Fahrrad vom
Hof der Schule klauen, wenn er es auf der Flucht nicht lenken kann? Er schlug
oft unvermittelt zu, hiernach hob er wie ein Boxer beide Fäuste, so als
verteidige er sich. Das Gebet vor der Klasse unterbrach der Fritsch auch schon
mal, um zu fragen, wo dieser oder jener seine Lebensmittel gekauft habe. Kamen
Maler, veränderten die Blagen das Warnschild: "Fritsch gestrichen"!

Entlassungsjahrgang
der Stimbergschule im März 1952
Rektor Biermann und Lehrer A. Jung
Quelle: Alte Apotheke, Foto Hermann
Siehe auch: Andreas
Biermann, Rektor der Stimbergschule
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