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Die
eingleisige Zechenbahn vom Pütt, die entlang des Stadions, dann durch die westfälische
Landschaft um Oer bis nach Sinsen führte, war die Lebensader unseres Ortes. Es
prägte das Bild von harter Arbeit, wenn von der ersten Brücke an der
Badeanstalt zu sehen war, wie auf den vielen Gleisen Dampflokomotiven
rangierten. Im Laufe des Tages wurde ein riesig langer Kohlenzug
zusammengestellt. Die Loks fuhren dazu unter die Brücke bis in die Höhe des
Stadions. Da der Fußweg der Brücke aus Brettern bestand, drang weißer Dampf
dadurch und umnebelte zu deren Freude die Kinder. Wenn unser Nachbar Heinrich
Haberhausen, Lokführer dort unten, von seinem Führerhaus Nachbarblagen
erkannte, pfiff er laut mit der Dampfpfeife des so riesigen eisernen Ungetüms.
Zwischen 17 und 18 Uhr wurden die Kohlen dann nach Sinsen auf das Gleis der
damals noch bestehenden Reichsbahn gefahren. Die kräftigste Lokomotive zog
schnaubend vorn und schickte riesige Dampfwolken in den Himmel. Noch auf der
Hochstraße glaubten die Menschen, in ihrer Küche vibriere der Schrank von der
fernen Kraft. Hinten schob eine weitere Lok den Zug hinauf bis hinter die Höhe
des Bauern Heine. Der Ertrag der Arbeit unserer Väter wurde am Berg so langsam
gefahren, dass wir als Kinder aufsprangen und bis Rott mitfuhren. Viele warfen
Kohlen ab, die dann gesammelt wurden. In der Schule wurden die geklauten Kohlen
als Spende präsentiert. In Sichtweite der Gärtnerei Colle unterfuhr die Bahn
die zweite Brücke, beim Bauern Heine die dritte. Ab der Esseler Straße fuhr
sie ebenerdig bis zum Schwesternhaus in Oer, hier fuhr erstmals der Kohlenzug über
eine Brücke. Etwa 40 Meter von der Gaststätte Pieper entfernt sprang ein
Bahnarbeiter aus der ersten Lok und sicherte den Straßenübergang. Die zweite
Lokomotive am Ende des Zuges schob von hier aus nicht mehr, der Straßensicherer
wurde aufgeladen und zur Zeche zurückgefahren. Das ansonsten unbefahrene
Bahngleis galt auch als Wanderstrecke. Für Erkenschwicker nach Speckhorn. Als
Mutprobe für Kröten. Es war der Weg zum Silvertbach. Durch Colles Garten
gingen einige die Böschung hinab, über die Schwellen wanderten durstige Männer
bis in die Gaststätte Pieper in die Esseler Straße. Die hier noch laut Schild
den alten Namen Ehseler Straße trug. Die Wirtin wurde nur Mutter Pieper
gerufen. Sie zapfte grundsätzlich kein Pils unter sieben Minuten. Wer wegen
Durst drängelte, wurde gelegentlich von ihr harsch abgewiesen: Qualität vor
Durst. Dieses Credo verteidigte sie gegen jedermann.
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