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An
den Samstagen im Sommer
von Hans
Dieter Baroth
An
den Samstagen kamen die Männer mittags von Fortsetzung und trugen meist
Zeugbündel unter ihren Armen - ihre Arbeitskleidung war zu einem Rund
gebunden und in ein blauweiß kariertes Handtuch gepackt; gelegentlich
baumelten auch die Grubenschuhe daran, die zu Hause besohlt wurden.
Bergleute arbeiteten an sechs Tagen in der Woche. Die Arbeitskleidung säuberten
die Frauen in der Waschküche hinter dem Haus oder im Keller. Meist
herrschte bei den Müttern dann die schlechte Laune. Es gab Eintopf.
Wenn das Obst geerntet oder angeblich preiswert gekauft werden konnte,
gab es riesige Kuchen mit Pflaumen oder Kirschen. Die Kuchenbleche
nannten wir Kuchenplatten. War der Hefeteig fertig und das Obst darauf
gegeben, schleppten die größeren Blagen diese Bleche zu den Bäckern
Stegemann oder Prein. Helle angefeuchtete Küchenhandtücher deckten den
Teig ab. Sie waren ein Schutz gegen Insekten und hielten das Obst
frisch. Gegen ein Entgelt schoben die Bäcker diese riesigen Kuchen in
ihre Öfen.
Die
Samstage in den Sommermonaten waren gut für die geringen Einkommen. Das
Eintrittsgeld für die Badeanstalt bei "Vati" Bach konnte
gespart werden. Denn Zinkbadewannen wurden nachmittags auf die Höfe
gestellt, kaltes Wasser schleppten die Väter aus der Waschküche heran,
die Blagen amüsierten sich in den kleinen Wannen, oft sogar mit
mehreren Kindern darin, die mit angezogenen Beinen im kalten Wasser
planschten. Bis bei einigen die Haut schrumpelig war. Gegen 17 Uhr läuteten
die Glocken der Christus-König-Kirche und riefen zur Beichte, aber nur
wenige Erwachsene gingen hin. Die gebackenen Kuchen holten die größeren
Burschen zurück, schon am Abend gab es das erste Stück vom
"Blechkuchen". Gebadet wurde nur einmal in der Woche, und das
an den Samstagen. Die erwachsenen Frauen wuschen ihr Haar nicht täglich,
einmal in der Woche gingen sie zur Haarwäsche zum Friseur. Niemand
hatte ein Badezimmer oder eine Dusche. In der Nacht schliefen die Frauen
mit einem Haarnetz, um die "teure" Dauerwelle möglichst lange
zu erhalten. An den Samstagen außerhalb des Sommers war das wöchentliche
Bad aufwändiger in der Vorbereitung. In einem Waschkessel wurde auf dem
Kohleherd von Küppersbusch Wasser erwärmt. Die Zinkwanne, bei uns
meist Pullefass genannt, stand in der Küche vor der Spüle. Nach der
Reihe badeten die Blagen in dem warmen Wasser. Es wurde stets
nachgegossen. Wer als nächstes Kind ins Pullefass musste, setzte sich
in das nicht mehr saubere Wasser des Bruders oder der Schwester. Alle
behaupteten, trotz des unsauberen Wassers sauber geworden zu sein. |