Der
Briefträger war ein fröhlicher und musikalischer Mensch
Mit
dem Postfahrrad fuhr er über den Bürgersteig, mit aufgeblähten Wangen
blies er fröhlich einen Marsch. Er mimte mit dem Mund eine Trompete.
Unser Briefträger Josef Hockenbrink (1900 / 1965 ) war kraft Uniform
eine Amtsperson, trotzdem ein fröhlicher Mensch.
Er hieß Hockenbrink,
wohnte in einem damals noch allein stehenden Haus auf der Knappenstraße
41, er wurde aber Hoppenbrink gerufen. Der so genannte Hoppenbrink trug
eine blaue Postuniform, einreihig geknöpft, dazu ein hoher Kragen und
eine Amtsmütze mit glänzendem Schild vorn. Seine schwarze lederne
Tasche trug er an der Seite. An den Sommertagen waren die Türen in den
Koloniewohnungen weit geöffnet. Vom Hof über den kleinen Flur gelangte
man direkt in die Wohnküche. „Trara, trara, die Post ist da", so
stand plötzlich der Josef Hockenbrink in unserer Wohnung, mit einer großen
Geste legte er die Briefe oder Karten auf den Küchentisch. Wie tänzelnd
verließ er die Wohnung.
Der
Briefträger verkaufte in jener Zeit in den Wohnungen auch Briefmarken,
er zahlte Geldüberweisungen aus. Der stets fröhliche hagere Mann war
hilfsbereit. Wer Geld einzuzahlen hatte und mit den Auflagen der Post
seine Schwierigkeiten hatte, wandte sich
an den so genannten Hoppenbrink.
Unser
Postmann nahm das Geld bar entgegen und erledigte die Schreibauflagen.
Er war musikalisch. Deshalb wohl
war er Vorsitzender des Kirchenchores Christus König. Als seine beiden
Kinder noch klein waren, bugsierte er sie schon mal auf den Küchentisch.
Darauf stehend sangen Tochter und Sohn, Briefträger Josef Hoppenbrink
dirigierte.
„Wer
aufgenommen werden wollte in den Chor", erinnerte sich die damalige
Gretchen Montag von der Hochstraße, „musste beim Vorsitzenden erst
vorsingen.
"
Im Krieg war er nicht. Als unser Briefträger in Münster eingesetzt
war, wurde er bei einem Bombenangriff verschüttet. Hiernach kam er in
unseren Ort zurück.
„Schnaps links,
Likör rechts"
Zum
Jahresende hatte er eine Flasche links in der Brusttasche, eine andere
rechts. Wer ihm einen „einkippen" wollte, der wurde gebeten,
Schnaps links in die Flasche, Likör rechts. Zwischendurch nahm er auch
einen: „Am Ende hatte er dann schon mal die Flaschen verwechselt, dann
geriet es durcheinander", erinnert sich die Tochter, die auch bei
der Post war, aber nach Recklinghausen ausweichen musste, als ihr Vater
in den Innendienst zur Hauptpost nach Groß-Erkenschwick kam.
Auf dem Weg dahin erhielt er jeweils eine Zigarre vom Gastwirt Welter
und vom evangelischen Pastor. Josef Hockenbrink genoss seine
Pensionszeit nur ein Jahr.